Wie sich die Kosten einer individuellen Karte zusammensetzen

Eine der ersten Fragen, die bei professionell erstellten Karten aufkommt, lautet: „Was kostet eine solche Karte?“ – und oft folgt darauf die auf den ersten Blick wenig befriedigende Antwort: „Es kommt darauf an …“.

In diesem Beitrag möchte ich genauer erklären, wie sich die Preise in der professionellen Kartografie zusammensetzen, welche Faktoren wirklich entscheidend sind – und wie der Auftraggeber den Preis mitgestalten kann.

  • Typische Preisspanne

  • Wichtige Kostentreiber (Kartentyp, Komplexität, Maßstab, Format)

 

Preisspanne - Was kostet eine Landkarte?

Die von mir angebotenen Karten liegen in der Regel in einem Bereich zwischen etwa 100€ und 3.000€.

  • Am unteren Ende dieser Spanne stehen einfache, kleine Übersichtskarten oder schematische Kartendarstellungen, etwa eine Lagekarte, die lediglich zeigt, wo sich ein Ort in Deutschland befindet.

  • Am oberen Ende finden sich großformatige, topografisch detaillierte Karten, wie sie zum Beispiel auf Infotafeln im Gelände, in Ausstellungen oder touristischen Einrichtungen eingesetzt werden.


 

Die wichtigsten Faktoren für den Kartenpreis

Grob lassen sich vier Bereiche unterscheiden, die den Aufwand und damit die Kosten einer Karte wesentlich beeinflussen.

A - Kartentyp: Übersichtskarte, Themenkarte oder topografische Karte?

Zunächst spielt der Typ der Karte eine große Rolle:

  • Übersichtskarten zeigen ein Gebiet in groben Zügen, z. B. ein Land, eine Region oder eine Stadt.

  • Themenkarten stellen bestimmte Inhalte in den Vordergrund, etwa Wanderwege, touristische Angebote, politische Verhältnisse oder statistische Daten.

  • Topografische Karten bilden Geländeformen, Höhenlinien, Landnutzung und Infrastruktur möglichst vollständig und präzise ab.

Je nachdem, welcher Kartentyp benötigt wird, unterscheiden sich der Aufwand für die Datenrecherche, die Verarbeitung der Geodaten und die grafische Gestaltung.

B - Inhaltliche Komplexität

Entscheidend ist nicht nur, wie viele Objekte auf einer Karte dargestellt werden, sondern auch, wie viele verschiedene Arten von Objekten vorkommen.

Eine einfache Lagekarte mit nur wenigen Elementen (z. B. Grenzen, ein Ort und ein markierter Punkt) lässt sich vergleichsweise schnell umsetzen. Eine Straßenkarte, in der zusätzlich Raststätten, Tankstellen, Ladestationen, Anschlussstellen und die Anzahl der Fahrspuren erkennbar sein sollen, ist deutlich komplexer:

  • Es müssen mehr Daten recherchiert, geprüft und vereinheitlicht werden.

  • Die grafische Gestaltung der Kartenelemente wird anspruchsvoller, weil eine klare Hierarchie der Informationen erarbeitet werden muss.

Mein oberstes Ziel ist immer, leicht verständliche Karten zu entwerfen. Bei komplexen Inhalten bedeutet das: Es braucht durchdachte gestalterische und hierarchische Konzepte, damit Betrachtende sich schnell zurechtfinden und die wichtigen Informationen auf einen Blick erfassen.

Einfache Übersichtskarte mit geringer Komplexität

Neben der Hauptinformation - den Standorten der Digitalisierungshubs - enthält die Karte lediglich die Landesfläche Baden-Württembergs und größere Flussläufe.

C - Maßstab & Kartenausdehnung: Wie groß ist das dargestellte Gebiet?

Der Kartenmaßstab bestimmt, wie viel Fläche eine Karte abdeckt und in welchem Detailgrad ein Gebiet gezeigt wird.

  • Kleiner Maßstab (z. B. Europa-Karte): Die Karte zeigt ein großes Gebiet, aber Details müssen stark vereinfacht werden. Flussläufe, Grenzen und Infrastruktur werden „generalisiert“, damit der Gesamteindruck ruhig bleibt und wichtige Informationen erkennbar bleiben.

  • Großer Maßstab (z. B. ein Naturschutzgebiet oder ein Stadtviertel): Die Karte zeigt ein kleines Areal sehr detailliert. Einzelne Wege, Gebäude, Geländeformen und viele spezielle Inhalte können berücksichtigt werden.

Je größer das dargestellte Gebiet und je höher gleichzeitig die gewünschte Informationstiefe, desto umfangreicher wird die Bearbeitung: Viele Elemente müssen zueinander in Beziehung gesetzt und gestalterisch sauber geordnet werden.

D - Umfang & Format: Wie groß wird die Karte am Ende gedruckt oder angezeigt?

Die Anforderungen an Präzision und Detailgenauigkeit steigen mit der physischen Größe des Endformats.

  • Bei einer kleinen Kartengrafik (z. B. in einer Broschüre) fallen kleinere Ungenauigkeiten der Daten oder stilistische Details weniger ins Gewicht.

  • Auf einer großformatigen Infotafel oder Ausstellungskarte sind selbst kleine Unstimmigkeiten sofort sichtbar. Hier ist ein sehr sorgfältiger Umgang mit den Geodaten notwendig, und typografische sowie grafische Feinheiten werden viel deutlicher wahrgenommen.

Das bedeutet: Für große Formate müssen Geodaten oft händisch nachbearbeitet und geglättet werden (z. B. eckige Flussläufe, Höhenlinien, sich überschneidende Straßen). Das ist zeitaufwendig – erhöht aber zugleich die Qualität der Darstellung erheblich.

Zusammenspiel der Faktoren: Warum es den einen Preis nicht gibt

In der Praxis greifen die genannten Faktoren alle ineinander:

  • Eine große Karte mit geringem Detailgrad (z. B. eine einfache Übersichtskarte über ein großes Gebiet) kann trotz ihrer Fläche relativ schnell erstellt werden.

  • Eine kleinformatige, aber inhaltlich sehr dichte Themenkarte mit vielen unterschiedlichen Informationen kann hingegen deutlich aufwendiger sein.

  • Besonders arbeitsintensiv sind Karten, die große Gebiete und gleichzeitig eine hohe Informationsdichte kombinieren – etwa topografische Karten mit detaillierten Angaben zu Gelände, Landnutzung und zusätzlichen thematischen Informationen wie Routenverläufen, Schutzgebieten oder speziellen POIs.


Wie Auftraggeber den Preis mitgestalten können

Als Kundin oder Kunde haben Sie mehrere Möglichkeiten, den Aufwand – und damit den Preis – einer Karte zu beeinflussen:

  • Klares Briefing: Je genauer Sie Einsatzzweck, Zielgruppe und gewünschte Inhalte beschreiben, desto besser kann ich einschätzen, welche Daten benötigt werden und wie die Karte aufgebaut sein sollte.

  • Vorhandene Daten: Wenn bereits geeignete Geodaten, Tabellen oder bestehende Karten vorliegen, die genutzt werden können, kann dies den Rechercheaufwand unter Umständern verrigern. (Gerne prüfe ich, ob die Daten geeignet sind.)

  • Prioritäten setzen: Überlegen Sie, welche Informationen auf jeden Fall auf die Karte müssen – und welche eher nice to have sind. Das erleichtert es, eine sinnvolle Informationshierarchie zu entwickeln und verhindert, dass die Karte überladen wirkt.

  • Flexibilität bei Details: Wenn Sie bereit sind, einzelne Details zu vereinfachen oder zusammenzufassen, kann das sowohl die Lesbarkeit als auch den Aufwand verbessern.

  • Bündeln von Änderungswünschen: Änderungen gehören zum Prozess dazu. Wenn Rückmeldungen gesammelt und in wenigen Runden gebündelt kommen, bleibt der Anpassungsaufwand überschaubar.


Wie läuft ein Kartenprojekt ab?

Der Ablauf orientiert sich an meinen allgemeinen Projektphasen, die auch auf hier beschrieben sind:

  1. Sie schildern mir kurz Ihr Kartenprojekt – gerne formlos per E-Mail oder über das Kontaktformular.

  2. Gemeinsam klären wir Einsatzzweck, Zielgruppe, Stil und Umfang der Karte.

  3. Auf dieser Basis erstelle ich Ihnen eine individuelle Kostenschätzung.

  4. Während der Umsetzung sehen Sie Zwischenschritte, können Feedback geben und Anpassungen vornehmen, bis die Karte Ihren Vorstellungen entspricht.

So behalten Sie Budget und Ergebnis jederzeit im Blick – und wir stellen sicher, dass die fertige Karte fachlich stimmig, gut lesbar und gestalterisch ansprechend ist.

Haben Sie ein konkretes Kartenprojekt im Kopf?

Melden Sie sich gerne bei mir.

 
Kartografisch gestaltete touristische Wanderkarte des Südschwarzwalds

Wie viel eine individuelle Karte kostet, hängt von Format, Maßstab und Komplexität des Inhalts und der Gestaltung ab.

 
Einfache Übersichtskarte der Lage Baden-Württembergs in Deutschland und Europa

Karten wie diese stellen geringere Anforderungen an die Datenqualität und die grafische Bearbeitung. Dennoch können sie gestalterisch und inhaltlich individuellen an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden.

 

Ausschnitt einer topografischen Wanderkarte auf einer Infotafel. Die Kombination aus großem Format in Verbindung mit dem großen Maßstab (1:4000) ermöglicht die Darstellung feiner Details. Wegtypen und -oberflächen, beispielsweise, können durch unterschiedliche Signaturen klar differenziert werden. Auf Grund der physischen Größe wurden alle Linien händisch an das Endformat angepasste.

Derartige Karten erfordern besondere Sorgfalt bei der grafischen Gestaltung und Typografie.